{"id":416,"date":"2015-10-06T15:53:01","date_gmt":"2015-10-06T13:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kottig.net\/whitecrane\/?page_id=416"},"modified":"2015-11-29T13:20:08","modified_gmt":"2015-11-29T12:20:08","slug":"history-of-white-crane","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/history-of-white-crane","title":{"rendered":"Die Zukunft des Baihequan (White Crane) im Fokus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Zukunft des Baihequan (Wei\u00dfer Kranich)<\/strong><\/p>\n<p>von Haki Celikkol<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Kampfk\u00fcnste im Westen ist aufschlussreich f\u00fcr denjenigen, der dar\u00fcber nachdenkt, wie man das chinesische Yongchun White Crane weiter entwickeln und einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe von Menschen &#8211; auch im Westen &#8211; bekannt machen kann. Hieraus ergeben sich bedeutsame Konsequenzen f\u00fcr Lehrinhalte und Lehrmethoden unter Ber\u00fccksichtigung der Zielgruppe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Einleitung &#8211; Kampfkunst im Westen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vor mehr als 35 Jahren habe ich begonnen, mich mit der Kampfkunst zu besch\u00e4ftigen. Die Kampfkunst &#8211; das war Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre im Westen ausschlie\u00dflich Karate, das aus Japan nach Europa gekommen war. In diesem, gemessen an meiner Lebenszeit schon recht langen Zeitraum hat das Karate gro\u00dfe einschneidende Ver\u00e4nderungen durchlaufen. Wenn wir den derzeitigen Zustand des Baihequan anschauen und uns \u00fcberlegen, wie wir die zuk\u00fcnftige Entwicklung allgemein f\u00f6rdern und sinnvoll gestalten k\u00f6nnen, dann ist eine Analyse dieser Ver\u00e4nderungen des Karate interessant und hilfreich. Dies gilt besonders dann, wenn es darum geht, das Baihequan einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe von Menschen, auch im (westlichen) Ausland, bekannt zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was hat Karate mit dem Baihequan zu tun? Das Baihequan ist der Ursprung aller modernen Karate-Stile. Darum haben diese beiden Kampfk\u00fcnste (bei aller Unterschiedlichkeit) sehr viele Gemeinsamkeiten. Die japanischen Instruktoren, die in den Westen kamen, um Karate zu lehren, haben von Anfang an auf diesen Zusammenhang hingewiesen. 2007 entdeckte ich im Internet die Vorf\u00fchrung der Taolu <em>Baihe Ba Fen<\/em> eines Sch\u00fclers des Weng Gong Ci in Yongchun, die mich sehr ber\u00fchrte. Eigent\u00fcmer der Website war ein gewisser <em>Martin Paul Watts<\/em>, der auf Mallorca\/Spanien lebte und selbst im Weng Gong Ci trainiert hatte. Ich nahm Kontakt zu ihm auf und im Jahr 2011 stellte er das Baihequan in zwei Seminaren in unserem Club vor. Er half mir, Kontakt herzustellen mit dem Weng Gong Ci und im darauf folgenden Jahr reiste ich selbst mit vier meiner fortgeschrittenen Sch\u00fcler nach Yongchun, um mich mit diesem Ursprung direkt zu befassen. Eine einmalige Studienreise war geplant; ich wollte die Kampfkunst ein bisschen besser verstehen, ein bisschen besser unterrichten lernen. Das Karate, mein Leben als Karate-Meister stand v\u00f6llig au\u00dfer Frage. Was ich vorfand, \u00fcbertraf aber all meine Erwartungen, und aus diesem Grund bin ich Martin Watts au\u00dferordentlich dankbar daf\u00fcr, dass er mich Meister Pan und seiner Familie vorgestellt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das direkte Zusammentreffen mit Meister Pan Chengmiao hat dazu gef\u00fchrt, dass ich seitdem jedes Jahr zwei Mal den weiten Weg auf mich genommen habe und mich jede freie Minute mit dem Baihequan besch\u00e4ftigt habe. Was ich hier gelernt habe, gebe ich an meine Sch\u00fcler weiter und etliche von ihnen habe ich schon nach Yongchun ins Weng Gong Ci gebracht, damit sie von Pan Shifu lernen. Nun m\u00f6chte ich hier meine Erfahrungen niederschreiben da ich glaube, dass diese ebenfalls ein Beitrag sein k\u00f6nnen f\u00fcr die Entwicklung des Baihequan.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<ol>\n<li>Karate auf Okinawa, in Japan und im Westen<\/li>\n<\/ol>\n<p><em>Shinyu Gushin<\/em> (1939-2012), ein Meister des okinawischen Uechi Ryu Karate, berichtete bei einem Treffen von Vertretern verschiedener Kampfkunst-Stile in London 2007 in einem Gespr\u00e4ch mit Pan Qiongqi, dem Sohn von Meister Pan, dass das Karate ca. 150 Jahre alt sei. Damals waren Menschen von Okinawa nach Fujian gereist und hatten die dortigen Kampfk\u00fcnste erlernt. Diese wurden die Grundlage f\u00fcr einen neuen Entwurf: das okinawische Karate.<\/p>\n<p>Auch auf Okinawa war die Kunst zu K\u00e4mpfen nicht etwas, was jeder jederzeit und \u00fcberall lernen konnte. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es von einzelnen Meistern mit jeweils sehr eigenen Pr\u00e4gungen an wenige Sch\u00fcler weitergegeben und nur den besonders treuen und flei\u00dfigen zeigten die Lehrmeister ihr gesamtes K\u00f6nnen. Ein solcher Sch\u00fcler war Gichin Funakoshi (1868-1957). Sein Lehrer war Anko Itosu (1831-1915), der 1908 einen Brief an die Regierung der Pr\u00e4fektur Okinawa sandte, in dem er die Bedeutung der Kampfkunst (die damals To-de \u5510\u624b, japanisch To-De hie\u00df) f\u00fcr den Sportunterricht an Schulen herausstellte. Hierin beschreibt er unter anderem die Rolle der Kampfkunst f\u00fcr die Kultivierung des K\u00f6rpers und die Disziplin des Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Einladung hin reiste Funakoshi im Jahr 1922 nach Tokio und stellte die okinawische Kampfkunst vor, die er <em>Karate<\/em> (leere Hand) genannt hatte (um sie f\u00fcr die Japaner akzeptabler zu machen). Die Resonanz war so positiv, dass er etliche Jahre in Tokio blieb und unter seinem K\u00fcnstlernamen \u677e\u6fe4, jap. Shoto, lehrte. Seine Sch\u00fcler bezeichneten diese Lehre nach dem Namen des Trainingsortes\u677e\u6fe4\u9928jap. Shotokan. Funakoshi selbst hatte indes nicht die Absicht, einen neuen Stil zu erschaffen. Seine Lehre war getragen von dem Wunsch, die okinawische Kunst nach Japan zu bringen um das Ansehen Okinawas zu st\u00e4rken. F\u00fcr den Unterricht an der Hochschule musste er jedoch das, was er auf Okinawa gelernt hatte, zum Teil drastisch ver\u00e4ndern:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; er musste die Techniken so vereinfachen, dass er viele Personen gleichzeitig unterrichten konnte<\/p>\n<p>&#8211; seine Sch\u00fcler waren junge M\u00e4nner, die einen physischen Ausgleich ben\u00f6tigten zu ihren Studien, also traten sportliche Aspekte in den Vordergrund<\/p>\n<p>&#8211; um ihrem nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnis nach Wettkampf entgegenzukommen, etablierte er stilisierte Zweik\u00e4mpfe (Zeit seines Lebens wandte er sich jedoch ausdr\u00fccklich gegen sportliche Turniere!)<\/p>\n<p>&#8211; da die Sch\u00fcler nur vergleichsweise kurze Lernzeiten absolvierten, konnte er nie das Risiko eingehen, sein gesamtes Wissen an die Studenten weiterzugeben; er kannte sie einfach nicht gut genug<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele von Gichin Funakoshis langj\u00e4hrigen Sch\u00fclern lie\u00dfen in den Kriegen des 20. Jahrhunderts ihr Leben. Diejenigen, die das Karate nach seinem Tod im Jahr 1958 in den Westen brachten, waren mit ganz wenigen Ausnahmen ehemalige Studenten der Universit\u00e4t Tokio und hatten entsprechend nur wenige Jahre Erfahrung. Sie f\u00fchrten auch sportliche Wettk\u00e4mpfe ein mit der Idee, das Karate einem gro\u00dfen Publikum zu zeigen und es zu begeistern. Gleichzeitig professionalisierten sie die theoretischen Grundlagen des Trainings. Die Folgen waren eindrucksvoll: in Deutschland war Karate sp\u00e4ter eine Zeit lang auf der Liste der beliebtesten Sportarten die Nummer 2 (nach Fu\u00dfball). Eine gro\u00dfe Zahl von Menschen trainierte engagiert und diszipliniert, es wurden viele Clubs gegr\u00fcndet und Verb\u00e4nde, in denen diese sich organisierten. Wie sieht nun die Situation heute aus?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die Karate lernen, sinkt seit einiger Zeit stetig. Es gibt eine ganze Reihe von Vereinen, die aufgrund mangelnder Mitgliederzahlen aufgeh\u00f6rt haben. Dar\u00fcber hinaus kann man sehen: Noch vor 7 oder 8 Jahren fanden regelm\u00e4\u00dfig im ganzen Land Lehrg\u00e4nge bekannter Meister statt, die gut besucht waren. Diese sind fast vollst\u00e4ndig aus dem Programm des Verbandes verschwunden. Nur wenige hochrangige Dan-Tr\u00e4ger bieten \u00fcberhaupt noch Lehrg\u00e4nge an. Gro\u00dfe \u00fcberregionale Freundschaftstreffen finden \u00fcberhaupt nicht mehr statt. Die reine Anzahl an Turnieren ist gro\u00df; besucht man diese, stellt man jedoch fest, dass sich immer kleinere Gruppen von Athleten zusammenfinden. Hierf\u00fcr gibt es eine Vielzahl zu vermutender Gr\u00fcnde:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; es gibt heute eine gro\u00dfe Auswahl an Kampfsportarten<\/p>\n<p>&#8211; es gibt ganz allgemein eine immer gr\u00f6\u00dfere Auswahl an anderen Sportangeboten<\/p>\n<p>&#8211; die Menschen haben weniger Zeit als fr\u00fcher (die wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen der letzten Jahre haben zu einer Erh\u00f6hung der Arbeitslast gef\u00fchrt)<\/p>\n<p>&#8211; die Menschen m\u00f6chten heutzutage schnelle Erfolge sehen und nicht jahrelang \u00fcben etc.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht l\u00e4sst sich hierdurch erkl\u00e4ren, dass Menschen gar nicht erst mit dem Training beginnen; warum aber h\u00f6ren so viele nach Jahren auf? Wer einen schwarzen G\u00fcrtel tr\u00e4gt, hat jahrelanges Training hinter sich, aus welchem Grund macht er nicht einfach weiter? Ich wei\u00df die Antwort nicht, aber ich m\u00f6chte hier einmal einige Eindr\u00fccke schildern, die sich beim Blick auf den Karate-Betrieb ergeben, auf das Training in den Clubs, die Turniere, die angebotenen Aus- und Weiterbildungsm\u00f6glichkeiten sowie die Weise, in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit betrieben wird:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Training:<\/p>\n<p>&#8211; das Training folgt Funakoshis Konzept mit dem Ziel der Kultivierung des K\u00f6rpers und des Sports<\/p>\n<p>&#8211; auch die Partner\u00fcbungen in Form von stilisierten Zweik\u00e4mpfen werden ge\u00fcbt, die vor allem das Ziel verfolgen, schnell und pr\u00e4zise zu sein und eine gute Kondition zu erlangen (und nicht, um sich in einer direkten Auseinandersetzung zu behaupten)<\/p>\n<p>&#8211; die Anwendung der Techniken, wie sie dem Entwurf Funakoshis entsprechen, werden wenig gezeigt und\/oder erscheinen willk\u00fcrlich<\/p>\n<p>&#8211; die Qualit\u00e4t der Bewegungen wird durch ihre Sportlichkeit bestimmt: Tritte m\u00fcssen hoch und akrobatisch sein, die St\u00e4nde tief<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das bedeutet:<\/p>\n<p>=&gt; es wird ein Karate gelehrt, das dem Menschen die grundlegenden F\u00e4higkeiten f\u00fcr die Selbstverteidigung nicht beibringt, weil diese Idee nicht in Funakoshis Entwurf vorhanden war<\/p>\n<p>=&gt; die Art des Zweikampfes, der in den Dojos ge\u00fcbt wird, ist rein sportlicher Natur und darum vor allem f\u00fcr junge Menschen interessant<\/p>\n<p>=&gt; Anwendungen werden gezeigt, weil die Sch\u00fcler sie gerne lernen m\u00f6chten; da sie im urspr\u00fcnglichen Konzept nur teilweise mitgedacht waren, sind sie nicht f\u00fcr eine tats\u00e4chliche Auseinandersetzung aufbereitet. Man beachte aber, dass die meisten Sch\u00fcler mit der Idee der Selbstverteidigung mit dem \u00dcben einer Kampfkunst beginnen (hierzu sp\u00e4ter mehr)<\/p>\n<p>=&gt; viele Menschen h\u00f6ren nach jahrzehntelangem Training auf, weil die Anforderungen des Karate ihrem K\u00f6rper geschadet haben: Probleme mit Knien und H\u00fcfte und anderen Gelenken sind unter Karateka sehr weit verbreitet<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Turniere:<\/p>\n<p>&#8211; hier wird die Qualit\u00e4t der Techniken mit Blick auf Schnelligkeit, Pr\u00e4zision und \u00c4sthetik beurteilt, hinzu kommen Showeffekte<\/p>\n<p>&#8211; zu einer Team-Kata geh\u00f6rt die Vorf\u00fchrung der Technik-Anwendungen. Diese ist mittlerweile eine nahezu beliebige Show mit teils akrobatischen Darbietungen ohne erkennbaren Bezug zu den Techniken in der Kata<\/p>\n<p>&#8211; die Teilnehmer sind in eine gro\u00dfe Anzahl von Kategorien unterteilt. Wenn im Zweikampf alle 5 kg K\u00f6rpergewicht eine neue Gewichtsklasse beginnt, sind die Gruppen h\u00e4ufig sehr klein. Am Ende hat nahezu jeder Teilnehmer eine Medaille gewonnen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hei\u00dft:<\/p>\n<p>=&gt; das Turnier verst\u00e4rkt die Betonung der rein sportlichen Zielsetzung; Leistungssport ist jedoch nur kurze Zeit im Leben m\u00f6glich &#8211; und auch nicht f\u00fcr jedermann<\/p>\n<p>=&gt; die Masse der Medaillen wirkt wie eine Inflation; wenn ich in einer Gruppe gegen 3 Gegner antreten muss, ist eine Bronzemedaille nahezu wertlos. Das erkennt schon ein Kind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit:<\/p>\n<p>Passend zu dem bisher gesagten ist die \u00d6ffentlichkeitsarbeit im Verband darauf zurechtgeschnitten, die sportlichen Leistungen in den Vordergrund zu r\u00fccken. Beliebtes Werbebild ist immer noch der junge Mensch in einer Trittposition, bei der das tretende Bein nahezu senkrecht nach oben zeigt. Eindrucksvoll, aber doch eher f\u00fcr einen Turner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darum gilt:<\/p>\n<p>=&gt; Wer nicht Leistungssport machen m\u00f6chte oder kann &#8211; was und wozu soll er \u00fcben? Und wie viele Menschen &#8211; auch junge &#8211; k\u00f6nnen und m\u00f6chten Leistungssport treiben? Leistungssportler haben eventuell eine Karriere als Trainer vor sich; auch dies ist ein Weg f\u00fcr wenige. Ganz abgesehen davon, dass jede Art von Leistungssport f\u00fcr den K\u00f6rper eher fragw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterbildung:<\/p>\n<p>Seit einiger Zeit gibt es nun auch Seminare, in denen man sich zum Lehrer f\u00fcr Selbstverteidigung ausbilden lassen kann. Durch die ausschlie\u00dfliche Betonung des Sports befindet sich das Karate also jetzt in einem Zustand, in dem ein Mensch, der seit 20 Jahren eine Kampfkunst \u00fcbt, die Anwendung der Techniken zur Verteidigung erst noch einmal lernen muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu l\u00e4sst sich nur eines sagen:<\/p>\n<p>=&gt; Das Angebot selbst besch\u00e4mt die Menschen, die flei\u00dfig und diszipliniert jahrelang trainiert haben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III. Ber\u00fchrung des Westens mit dem Baihequan<\/p>\n<p>Ob und in welcher Weise die vorherigen und die nachfolgenden Betrachtungen bedeutsam sind f\u00fcr die chinesischen Kampfk\u00fcnste, liegt nicht in meiner Zust\u00e4ndigkeit. Ich m\u00f6chte nun aber gerne noch einmal den Blick wenden in Richtung des Baihequan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das heutige Baihequan enth\u00e4lt noch sehr viel von dem, was es als Wurzel des Karate erkennbar macht. Es gibt z.B. Techniken, die leicht in zwei, drei oder mehr Einzeltechniken des Karate zerlegbar sind. Manchmal braucht man auch nur die Richtung einer Ausf\u00fchrung geringf\u00fcgig zu \u00e4ndern, schon erkennt man die Karate-Technik (die durch diese kleinen Ver\u00e4nderungen oft genug unsch\u00e4dlich gemacht wurde &#8211; und damit verwirrend). Wie oben beschrieben sind es vor allem die Faktoren <em>Vereinfachung<\/em>, <em>\u00c4sthetisierung und Betonung des Sports,<\/em> die dem Karate seine heutige Form gegeben haben. Das Baihequan aber, das ich im Weng Gong Ci Wushu Guan in Yongchun gefunden habe, verk\u00f6rpert in au\u00dferordentlich reiner Weise dessen Prinzipien. Es ist darum wie ein Lehrbuch im umfangreichsten Sinne mit dem Potenzial, die Menschen im Westen mit der Kampfkunst zu vers\u00f6hnen durch Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo Unkenntnis herrscht, kann man wieder und wieder erleben, dass Menschen von <em>Geheimnissen<\/em> einer Kampfkunst sprechen. Wie oben beschrieben, ben\u00f6tigt ein Sch\u00fcler eine lange Zeit, um einerseits das Vertrauen seines Lehrers zu erlangen, aber eben auch, um seinen K\u00f6rper vorzubereiten. Meines Erachtens gibt es keine Geheimnisse; es gibt h\u00f6chstens Stufen des Verst\u00e4ndnisses. In den Techniken, wie sie von Pan Shifu ausgef\u00fchrt werden, sind alle vermeintlichen Geheimnisse des Baihequan enthalten &#8211; in derselben Weise, wie jeder Tropfen die Essenz des Meeres in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Aufkl\u00e4rung geht aber weit r\u00fcber die Techniken hinaus. \u00dcber so viele Jahrzehnte und tausende Kilometer (von den sprachlichen Schwierigkeiten gar nicht zu reden) wurden nicht nur Techniken und Ausf\u00fchrungen ver\u00e4ndert. Es wurden dar\u00fcber hinaus so viel Wissen, so viele Ideen, Vorstellungen, \u00dcberzeugungen, Trainingsprinzipien und -methoden bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Auch ein sehr gro\u00dfer Teil vor allem der medizinischen Aspekte, die das Baihequan f\u00fcr den Menschen ein Leben lang machbar und hilfreich machen, hat den Weg in den Westen nicht geschafft: zu unterschiedlich ist das Menschenbild in der westlichen Vorstellung von dem in der chinesischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin fest davon \u00fcberzeugt: Die Auseinandersetzung mit dem Baihequan kann das Arzneimittel sein, das die entt\u00e4uschten Menschen im Westen heilt. In der chinesischen Lehre ist alles enthalten, was ein Mensch ben\u00f6tigt, um seine Gesundheit zu f\u00f6rdern und sein Kampfkraft zu st\u00e4rken. Das System ist organisch, flexibel und kreativ und somit anpassungsf\u00e4hig an jeden Menschen und jede spezifische Situation: eine wahre Kampfkunst, die den K\u00f6rper erh\u00e4lt und st\u00e4rkt und ihm die k\u00f6rperliche und geistige Kraft und Beweglichkeit vermittelt, die er ben\u00f6tigt, wenn er gefordert ist &#8211; in welcher Weise auch immer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist der Grund, weshalb ich meine Anstrengungen in Europa dahin richte, besonders h\u00f6here Dan-Tr\u00e4ger mit dem Bahequan zu konfrontieren und sie daf\u00fcr zu interessieren &#8211; und die einflussreichsten von ihnen mit hierher zu nehmen, damit sie ihre eigenen Erfahrung machen und am eigenen Leib erleben, wie sie ein neues Verst\u00e4ndnis entwickeln f\u00fcr das, was sie wom\u00f6glich seit Jahrzehnten \u00fcben und wie sich ihr Verh\u00e4ltnis hierzu ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist indes nicht leicht, diese Menschen dazu zu bewegen, sich auf einen solchen Schritt einzulassen. Warum ist das so? Zun\u00e4chst einmal ist es auch heutzutage nicht f\u00fcr jedermann ganz leicht, nach China zu reisen. Sicher, viele haben schon Peking oder Shanghai besucht, eine Yangzi Kreuzfahrt gemacht oder waren in Xi&#8217;an. Eine Studienreise in eine l\u00e4ndliche Region aber, ohne irgendwelche Sprachkenntnisse, das tun h\u00f6chstens junge Menschen &#8211; diese sind dann aber keine h\u00f6heren Dan-Tr\u00e4ger im Karate. Dar\u00fcber hinaus wird jeder Mensch es sich zweimal \u00fcberlegen, 10.000 km zu reisen, wenn er im Hinterkopf die Sorge hat, dass alles, was er bislang gelernt hat, auf dem Pr\u00fcfstein steht. Auch, wenn man unzufrieden ist &#8211; oder vielleicht gerade deshalb: der erste Schritt ist bei weitem der schwierigste. Was also tut ein moderner Mensch, der mit der Idee in Ber\u00fchrung gekommen ist, dass es in China unter dem Begriff <em>Baihequan<\/em> oder <em>White Crane<\/em> f\u00fcr ihn Interessantes zu entdecken gibt? Nat\u00fcrlich: Er geht im Internet auf die Suche nach Information und vor allem nach Videos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Internet kann man heute nat\u00fcrlich umfangreiches Video-Material ansehen. Dann sind da die Websites diverser Clubs, die offenbar im Wettstreit dar\u00fcber liegen, wer nun das \u00e4lteste, das traditionellste und originalste White Crane lehrt. Interessant ist hierbei, dass die Begriffe <em>alt, traditionell <\/em>und<em> original <\/em>eigentlich mehr oder weniger versteckte Synonyme sind f\u00fcr <em>gut<\/em>. Hierzu sp\u00e4ter mehr. Zun\u00e4chst einmal verh\u00e4lt es sich mit diesen Informationen wie mit allem, was das Internet zu bieten hat: die eigentliche <em>Qualit\u00e4t<\/em> dessen, was man sieht, kann man nicht beurteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sicher kann man nur folgendes sagen:<\/p>\n<p>&#8211; das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild, die Bewegungen, die man sieht, sehen sehr viel anders aus, als das, was die allermeisten Kampfkunst-Begeisterten hier im Westen gewohnt sind<\/p>\n<p>&#8211; die Pr\u00e4zision der Ausf\u00fchrungen, die Art der Kraft\u00fcbertragung, die Biomechanik &#8211; alles das ist sehr un\u00e4hnlich zu dem Vertrauten<\/p>\n<p>&#8211; sogar das Umfeld, die Umst\u00e4nde, unter denen ge\u00fcbt und aufgef\u00fchrt wird, wirken anders: die Trainingsorte, die Bekleidung, sogar die \u00f6ffentlichen Demonstrationen sind grunds\u00e4tzlich anders als alles, was die Menschen hier jemals gesehen haben<\/p>\n<p>&#8211; auch die Anwendung der Techniken im Kampf wird kaum in verst\u00e4ndlicher Form gezeigt (man kann z.B. Videos finden, in denen ein Meister mit einem einzigen Sto\u00df eine ganze Gruppe von Menschen zum Fallen bringt). Auch das geschulte Auge ben\u00f6tigt eine Weile, um die oben beschriebene Klarheit zu erkennen (dies ist in der direkten Anschauung von Mensch zu Mensch leichter, in einem Video aber \u00e4u\u00dferst schwierig!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So hilfreich es ist, dass wir heute Informationen leicht zug\u00e4nglich im Internet finden: in diesem Fall bildet es eine neue H\u00fcrde mit Blick auf die Idee, die Menschen im Westen f\u00fcr das Baihequan einzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Eine Kampfkunst (auch) f\u00fcr den Westen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diejenigen Europ\u00e4er also, f\u00fcr die das Baihequan von wirklicher, fundamentaler Bedeutung ist (und die darum, davon bin ich \u00fcberzeugt, auch f\u00fcr das Baihequan und seine Entwicklung von fundamentaler Bedeutung sind) kann man zun\u00e4chst in etwa folgenderma\u00dfen charakterisieren:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; sie haben in aller Regel mehrere Jahrzehnte (mindestens 15-20 Jahre) Training im Karate hinter sich<\/p>\n<p>&#8211; sie haben Lehrerfahrung<\/p>\n<p>&#8211; sie haben mindestens eine Grundausbildung als Lehrer oder Trainer, da man ansonsten (zumindest in Deutschland) keinen Club leiten darf<\/p>\n<p>&#8211; sie verf\u00fcgen \u00fcber brauchbares Grundwissen in Bezug auf Trainingsmethoden und solche Inhalte wie Biomechanik und westliche Medizin<\/p>\n<p>&#8211; sie haben strenge und aufw\u00e4ndige Pr\u00fcfungsverfahren \u00fcber sich ergehen lassen<\/p>\n<p>&#8211; sie hegen Zweifel, denn sie sind alle in gewisser Weise bereits entt\u00e4uscht worden<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Entt\u00e4uschung bezieht sich vor allem auf das, was die Kampfkunst ihnen auf lange Sicht bieten kann. F\u00fcr die Menschen im Westen ist Kampfkunst immer mit der Idee der Selbstverteidigung im weitesten Sinne verbunden gewesen. Dies gilt auch f\u00fcr den Bereich des Kindertrainings. Sehr viele Kinder, insbesondere die M\u00e4dchen, werden von ihren Eltern zum Training gebracht, wenn sie das Gef\u00fchl haben, dass ihre T\u00f6chter und S\u00f6hne schwach und zu leicht verletzlich sind, in der Schule ge\u00e4rgert oder angegriffen werden, und dass sie weder die k\u00f6rperlichen F\u00e4higkeiten noch die seelisch-geistige St\u00e4rke haben, um hiermit umzugehen. Auch wenn sich die meisten Erwachsenen nicht oft gegen einen k\u00f6rperlichen Angriff wehren mussten, so f\u00fchlen sie sich doch oft genug unsicher: abends, alleine unterwegs oder in manchen Stadtvierteln. Sie w\u00fcnschen sich Wehrhaftigkeit f\u00fcr den Notfall, f\u00fcr sich und auch f\u00fcr ihre jugendlichen Kinder, die sie nicht besch\u00fctzen k\u00f6nnen, wenn diese z.B. am Wochenende mit ihren Freunden unterwegs sind. Die Anwendung der Kampfkunst und das m\u00f6glichst realistische \u00dcben m\u00fcssen im Westen demnach unbedingt in die Lehre aufgenommen werden. Diese \u00dcbungen sollten grunds\u00e4tzlich von Anfang an durchgef\u00fchrt werden, damit das Gef\u00fchl der <em>nutzlosen Kampfkunst<\/em> gar nicht erst entstehen kann. Dies gilt umso mehr f\u00fcr diejenigen, die nach mehr oder weniger langem \u00dcben sich dem Baihequan zuwenden: kein Mensch, der lange Jahre eine Kampfkunst ge\u00fcbt hat, ist bereit, noch einmal Jahre mit Grund\u00fcbungen zu verbringen, bevor er dar\u00fcber hinausgehende Inhalte lernen darf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies bedeutet selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass ich der Meinung bin, dass das jahrelange \u00dcben grunds\u00e4tzlich verk\u00fcrzt werden kann &#8211; nat\u00fcrlich ben\u00f6tigt der K\u00f6rper dieses, um die Kunst zu verinnerlichen und sich entsprechend zu entwickeln! Es ist eine Frage der Methode, die dem Menschen ein Ziel &#8211; auch ein unter Umst\u00e4nden weit entferntes Ziel &#8211; in Sicht bringen muss, damit seine Motivation erhalten bleibt. Die Menschen von heute sind sehr viel st\u00e4rker zielorientiert als in alten Zeiten. Das mag man unterschiedlich bewerten; sicher ist aber, dass ein Mensch, der wei\u00df, zu welchem Zweck er Arbeit in eine Sache investiert, wesentlich flei\u00dfiger und leistungsf\u00e4higer ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt der Lehrmethode ist ebenfalls beachtenswert: die Arbeit des K\u00f6rpers. Die Menschen im Westen ben\u00f6tigen, wie in China mittlerweile auch, einen k\u00f6rperlichen Ausgleich zu ihrem Alltag. Wer k\u00f6rperlich schwer arbeitet, profitiert ohne weiteres vom ruhigen \u00dcben der Taolu des Baihequan. Heute aber verbringen die meisten Menschen viel Zeit am Schreibtisch und vor dem Computer. Auch ihnen n\u00fctzt das \u00dcben, sie ben\u00f6tigen aber etwas mehr anregende, anstrengende Bewegungen. Im Westen nehmen sich die Menschen im Schnitt zwei Mal in der Woche am Abend Zeit hierf\u00fcr, in aller Regel kaum mehr als eine Stunde. Wenn die Kampfkunst nicht gen\u00fcgend Bewegung bringt und allzu lange an derselben Stelle, der immer gleichen \u00dcbung verharrt, werden sie nicht dabei bleiben. Die Trainingsmethoden (wohlgemerkt: die <em>Methoden<\/em>, nicht die Inhalte!) m\u00fcssen demnach auch diesbez\u00fcglich modifiziert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 25 Jahren unterrichte ich neben Erwachsenen auch viele Kinder. Kinder bleiben h\u00e4ufig nicht so lange bei einer Sache. Sie sind mit einer Vielzahl von Angeboten konfrontiert und m\u00f6chten verschiedenes ausprobieren. Wenn sie \u00e4lter werden und ihre Freunde in anderen Verein aktiv sind, wechseln sie h\u00e4ufig zu diesem. Darum kann man mit ihnen viel Erfahrungen sammeln in Bezug auf die Frage, wie man einen Menschen effektiv und auch effizient unterrichten kann. Wir haben bislang folgende Erkenntnisse gesammelt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; es ist g\u00fcnstig, wenn neue Sch\u00fcler einzelne Bewegungen wie Tritte, Schl\u00e4ge oder auch den Stand \u00fcber l\u00e4ngere Zeit intensiv \u00fcben; wenn sie diese beherrschen, meistern sie eine Form wie San Zhan deutlich leichter<\/p>\n<p>&#8211; ohne diese Vor\u00fcbungen f\u00e4llt ihnen das Erlernen der Taolu sehr schwer, sie verf\u00fcgen nicht \u00fcber gen\u00fcgend Geschicklichkeit und Koordinationsverm\u00f6gen hierzu<\/p>\n<p>&#8211; \u00fcberhaupt erscheint es im Westen utopisch, dass Kinder sich auf 2, 3 Jahre Kata-Training einlassen, auch wenn es ihnen noch so gut tun w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Kinder kommen niemals zu uns mit der Idee, Taolu zu lernen. Wenn wir sie fragen, was sie lernen m\u00f6chten und was ihre Vorstellung ist von dem was man in einer Kampfkunstschule tut, dann sagen sie, dass sie k\u00e4mpfen lernen m\u00f6chten. Irgendwann bekommen sie durch die anderen Kinder mit, dass sie in Form einer Taolu die Qualit\u00e4t ihrer F\u00e4higkeiten beweisen m\u00fcssen, wenn sie eine Pr\u00fcfung machen und einen G\u00fcrtel haben m\u00f6chten. Ab dann fragen sie nach und m\u00f6chten Taolu \u00fcben, werden jedoch auch dann noch beim \u00dcben sehr schnell ungeduldig. Die Geduld ihrer Eltern in Bezug auf Pr\u00fcfungen und das Erlangen von G\u00fcrteln ist indes abh\u00e4ngig von deren wirtschaftlichem Zustand. Je h\u00f6her der Reichtum, desto schneller erwarten sie Leistung von Lehrern und Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei uns gilt denn auch: die Kinder beginnen ihr Training mit Partner\u00fcbungen. Diese werden zu ihrem Schutz mit kompletten K\u00f6rperpolstern durchgef\u00fchrt. Daneben erfolgen \u00dcbungen in den Grundtechniken Treten, Schlagen und f\u00fcr die St\u00e4nde. Wenn sie \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bleiben, lernen sie Taolu. Auf diese Weise kommen wir ihnen entgegen, denn das ist es, was sie sich von einer Kampfkunst versprechen. Kinder, die nur f\u00fcr eine kurze Weile bei uns im Verein bleiben, haben entsprechend dennoch grundlegende F\u00e4higkeiten im Zweikampf erlangt, die f\u00fcr den Rest ihres Lebens n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erwachsenen ist der Schwerpunkt des Trainings etwas anders gelagert. Nat\u00fcrlich ben\u00f6tigen diese nicht ganz so viel Unterst\u00fctzung zum Erhalt der Motivation und es reicht, ihnen immer wieder die Ziele des \u00dcbens in Sicht zu bringen. Ansonsten steht f\u00fcr sie zun\u00e4chst die Kultivierung des K\u00f6rpers im Vordergrund; Partner\u00fcbungen zur Anwendung der Techniken finden statt, jedoch weit weniger als im Kindertraining. St\u00e4rker als dort werden mit den Erwachsenen auch diejenigen Partner\u00fcbungen durchgef\u00fchrt, die direkt aus dem Baihequan kommen und St\u00e4nde, Balance, Schwerpunktgef\u00fchl und auch die Koordination schulen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcberblicken k\u00f6nnen, dass ein Anf\u00e4nger koordinativ dazu in der Lage ist, eine Taolu zu lernen, lernt er ebenfalls Taolu. Dieses Training wird immer wieder erg\u00e4nzt durch Ein\u00fcben von Grundtechniken und gelegentlichen Zweikampfsequenzen. Da die beiden zuletzt genannten \u00dcbungen leicht so zu gestalten sind, dass sie mit guter k\u00f6rperlicher Anstrengung verbunden sind, kommt auch das Bed\u00fcrfnis der Erwachsenen nach physischer Anregung nicht zu kurz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bleiben noch diejenigen, die als erfahrene Karateka (oder auch aus anderen Kampfk\u00fcnsten) zu uns kommen. F\u00fcr sie ist es wichtig, z\u00fcgig einen guten Einblick in das Wesen des Baihequan zu erlangen. Ihre grunds\u00e4tzliche Motivation zu \u00fcben haben sie l\u00e4ngst unter Beweis gestellt. Wenn sie sich nun von den gewohnten Pfaden entfernen und sich auf neue Inhalte einlassen, ist es von fundamentaler Bedeutung, dass sie in \u00fcberschaubarer Zeit m\u00f6glichst viele Techniken des Baihequan am eigenen Leib erfahren und so die M\u00f6glichkeit erhalten zu erkennen, dass das bisher Gelernte nicht im Widerspruch zu dem Neuen steht. Sie werden (so wie ich auch) bemerken, dass die Formen dem K\u00f6rper vertraut sind, auch wenn sie noch so ungewohnt wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Auge ist leicht zu t\u00e4uschen &#8211; der K\u00f6rper ist es nicht. Er sp\u00fcrt die Vertrautheit, die das betrachtende Auge oftmals vergeblich sucht. Erfahrungsgem\u00e4\u00df hat jeder Kampfkunst-erfahrene, der mit dem \u00dcben des Baihequan beginnt, nach kurzer Zeit immer wieder erhellende Momente, regelrechte Aha-Erlebnisse, die zweierlei bewirken: einerseits erkennt er, dass er einen neuen Zugang zu der ihm langj\u00e4hrig vertrauten Kampfkunst erh\u00e4lt. Andererseits wird ihm klar, dass er all sein Wissen, all sein K\u00f6nnen weiter zur Verf\u00fcgung hat und verwenden kann; dass er das Vergangene weiter \u00fcben und auch in vielleicht ungeahnter Weise weiter entwickeln kann. Das nimmt dem Menschen die Sorge, die jeden beschleicht, der sich auf etwas g\u00e4nzlich Neues einl\u00e4sst und vermittelt ihm die Freude, eigenst\u00e4ndig kreativ werden zu k\u00f6nnen &#8211; den Zugang zur Kunst im eigentlichen Sinne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Einstieg f\u00fcr erfahrene Karateka erfolgt in meinem Verein demnach eventuell kurz \u00fcber San Zhan; so bald wie m\u00f6glich aber zeige ich diesen Personen eine eigens zu diesem Zweck zusammengestellte \u00dcbungssequenz, in der bereits ein gro\u00dfer Anteil der Baihequan-Techniken enthalten sind. Die Kombination erfolgt in Hinblick auf rein k\u00e4mpferische Aspekte, die f\u00fcr den erfahrenen K\u00e4mpfer leicht erfahrbar sind oder gemacht werden k\u00f6nnen. Damit wird das Ziel des \u00dcbens auch f\u00fcr diese Menschen unmittelbar sichtbar. Danach folgen die Partner\u00fcbungen aus dem Baihequan zur F\u00f6rderung von Schwerpunkt, Balance, Energiefluss und Kraft\u00fcbertragung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Zusammenfassung<\/li>\n<\/ol>\n<p>Meine Ideen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Gestaltung des Baihequan mit Blick auf den Westen lassen sich abschlie\u00dfend darstellen wie folgt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; die Anwendung der Techniken sind tragender Grund einer jeden Kampfkunst und d\u00fcrfen nicht in Vergessenheit geraten<\/p>\n<p>&#8211; Wettk\u00e4mpfe machen besonders jungen Menschen viel Spa\u00df; sie sollen darum stattfinden, d\u00fcrfen aber nicht zu Lasten der Wurzel gehen<\/p>\n<p>&#8211; Ver\u00e4nderungen sind stetig n\u00f6tig, sie sollen aber erfolgen mit Blick auf die Nutzbarkeit. Dann sind sie kreative Anpassungen an immer neue \u00e4u\u00dferliche und individuelle Bedingungen und halten das System flexibel und anpassungsf\u00e4hig; auch sie d\u00fcrfen nicht zu Lasten der Wurzel gehen<\/p>\n<p>&#8211; \u00e4sthetische \u00dcberlegungen d\u00fcrfen ebenfalls nie unabh\u00e4ngig von den Kampfprinzipien erfolgen. Weisen der K\u00f6rperkultur mit dem Schwerpunkt auf Sch\u00f6nheit gibt es reichlich: Ballett, Turnen, Akrobatik &#8211; und sie alle sind diesbez\u00fcglich den Kampfk\u00fcnsten weit \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>&#8211; Die Trainingsmethoden m\u00fcssen den Sch\u00fclern entgegenkommen; sie m\u00fcssen die jeweiligen Bedingungen ber\u00fccksichtigen, unter denen sie sich zum Training entschlossen haben (und damit die individuellen Ziele der Menschen in den Blick nehmen). So erscheint, wie oben skizziert, eine Einteilung in Kinder und Jugendliche, Erwachsene ohne Vorkenntnisse und Kampfkunst-erfahrene Anf\u00e4nger sinnvoll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hoffe, mit diesen Ausf\u00fchrungen einen Beitrag zu leisten dazu, dass das Baihequan in seiner Vollst\u00e4ndigkeit und Sch\u00f6nheit f\u00fcr die Zukunft bereitet werden kann.<\/p>\n<p>Mein Dank gilt allen Lehrern des Weng Gong Ci Wushu Guan in Yongchun und hier vor allem dem Leiter Pan Chengmiao, der in besonders \u00fcberzeugender und herausragender Weise den Stil und seine Prinzipien verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;Tradition ist das Weiterreichen des Feuers, nicht das Bewahren der Asche&#8221; &#8211; auf dass dieser so h\u00e4ufig zitierte Satz Wirklichkeit werde!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Juli 2015<\/p>\n<p>Haki Celikkol<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zukunft des Baihequan (Wei\u00dfer Kranich) von Haki Celikkol &nbsp; Die Entwicklung der Kampfk\u00fcnste im Westen ist aufschlussreich f\u00fcr denjenigen, der dar\u00fcber nachdenkt, wie man das chinesische Yongchun White Crane [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-416","page","type-page","status-publish","hentry"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.0","language":"de","enabled_languages":["en","de","es","ru","zh","nl"],"languages":{"en":{"title":true,"content":false,"excerpt":false},"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"es":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"ru":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"zh":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"nl":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=416"}],"version-history":[{"count":14,"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1075,"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/416\/revisions\/1075"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/yongchun-white-crane.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}